Paul Grau

Geboren und aufgewachsen ist Paul Grau im Kanton Zürich, zusammen mit einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder. Bereits Ende der 60er Jahre zeigte er grosses Interesse an der Filmproduktion, weshalb er sich als Kamera-Assistent bei der Condor Film AG in Zürich an diversen Dokumentar- und Werbefilmen engagierte. Anfang der 70er Jahre nahm er ein Angebot des spanischen Fernsehens an und machte sich auf den Weg nach Barcelona. In Spanien angekommen, konnte Grau diverse Kontakte knüpfen und machte seinen Anfang in der Videoclip Produktion. Dort drehte er unter anderem mit Schlagerstars wie Julio Iglesias und dem spanischen Protestsänger Joan Manuel Serrat.

Ein paar Jahre später zog es ihn in seine Heimat zurück. Mit dem erlernten Know-How im Gepäck wurde er in der Schweiz innerhalb kürzester Zeit zu einem der gefragtesten Videoclip-Realisatoren des Landes. Dieses Talent entging dem Filmproduzenten Erwin C. Dieterich nicht, weshalb er Grau im Jahr 1975 kurzerhand als Aufnahmeleiter für seine Produktionen engagierte.

1980 folgte dann der Schritt in die Selbstständigkeit. Zusammen mit einem "Blick" Journalisten gründete er die Reflection Film AG. Mit der Firma produzierte er in Folge weit über 100 Produktionen, sowohl national wie auch international. Unter anderem realisierte er auch Dokumentarfilme und Videoclips mit Stars wie den Rolling Stones, Adriano Celentano, Nina Hagen, Udo Jürgens, Trio, Yello und der Rockband Krokus, für die er zudem die spektakuläre Schallplattenhülle "Metal Rendez-vous“ entwarf.

1985 lancierte Paul Grau zusammen mit den amerikanischen Filmverleihern die Kinovorschau "Trailer Cinema Highlights". In Kinos, Discotheken, Bars und Shoppingzentren flimmerten mit Hilfe der aufkommenden Videobeam-Projektoren zum ersten Mal die Kinovorschau über die Bildschirme. Ein Jahr später konnte man die Kinovorschau bereits auf allen Servicekanälen der Rediffusion empfangen. Dies ebnete den Weg für die spätere Gründung des ersten nationalen Privatfernsehsenders "Star TV", den Grau zehn Jahre später ins Leben rief.

Der Weg zur Gründung führte aber noch an einigen Stationen vorbei. 1992 akquirierte seine Frau Bine einen Grossauftrag für den deutschen Sender RTL. Die Reflection Film AG konnte in der Folge für den Privatfernsehsender die aufwendige Reality TV Serie "Unsolved Mysteries“ für die Schweiz und Österreich produzieren. Die Serie spürte ungelösten Kriminalfällen nach und löste diese gegebenenfalls auf. Mit diesen Einnahmen gründete und finanzierte Grau im gleichen Jahr zusammen mit drei Freunden die Kollektivgesellschaft Eden TV, Paul Grau und Partner (eine Produktionsfirma für die Verbreitung und Lizensierung von Lokalfernsehsendungen), welche das Ziel hatte, das Lokalfernsehen in der Schweiz im Unterhaltungsbereich zu kommerzialisieren. 1995 wurde daraus die Eden TV Produktions GmbH, die vor allem für den Lokalfernsehsender Züri1 produzierte. 1994 folgte der Schritt in seiner Karriere, für den ihn die meisten kennen. Zusammen mit seiner Produktionsfirma und dem grössten Kabelnetzbetreiber der Schweiz, der Rediffusion AG (der heutigen UPC), gründete er den ersten kommerziellen Schweizer Privatfernsehsender. Star TV ging am 31.08.1995 auf Sendung und wurde bereits ab 1996 über das Internet verbreitet, was zu dieser Zeit eine absolute Neuheit war.

Star TV, mit Paul Grau am Lead, leisteten in den Folgejahren Pionierarbeit. So wurden unter anderem das erste Mal Sendungen wie die "Miss Schweiz Wahlen“, die "Streetparade", die "Swiss Fashion Awards", "Der Rostige Paragraph" und das "Filmfestival von Locarno" landesweit und live übertragen. Den Schwerpunkt legte der Sender anfangs auf die Ballungszentren Zürich, Bern, Basel, St. Gallen und Luzern. Danach wurde das Empfangsgebiet auf die ganze Schweiz ausgeweitet.
Im Jahr 2000 positionierte sich Star TV im Bereich Film, Lifestyle und Entertainment. 2003 erhielt der Sender eine weitere Konzession für einen nationalen TV-Sender "Game TV". Ziel des neuen Senders war es, der aufkommenden Game-Community ein eigenes Gefäss zu geben. Damit wurde aus der erfolgreichen Gamesendung auf Star TV ein selbständiges Medium, welches im TV und Internet verbreitet wurde. Game TV ist seither eine etablierte Kommunikationsplattform der Game-Industrie und der eSport Szene.

Im Herbst 2012 orientierte sich Star TV neu. Seit dem Relaunch konzentriert sich der Sender auf das Thema Film und strahlt in diesem Zusammenhang hauptsächlich Spielfilme aus. Ausserdem setzt der Sender mit Formaten wie "FilmApp LIVE" und der Musiksendung "Lautstark" auf Kino, Musik und Kultur. Mit der Sendung "StarNews" bleibt die Entertainmentschiene bestehen. Über das Jahr verteilt überträgt Star TV verschiedenste Live-Events aus den Bereichen Film, Livestyle, Kultur, Entertainment und eSports.

Erwähnt man heute das Wort Fernsehen, muss man im gleichen Atemzug Paul Grau nennen. Wir möchten deshalb wissen, wie es nun weitergeht. Das Interview dazu folgt auf der nächsten Seite.

INTERVIEW: 


Du hast am 15.04.2020 deinen 70. Geburtstag gefeiert. Wir gratulieren dir von Herzen dazu. Hast du "bescheiden" gefeiert oder richtig "fernsehpionierhaft"?
Der 15. April steht für mich in einer familiären Zeitschiene. Am 14. April 1987 haben meine Frau Bine und ich im Stadthaus in Zürich geheiratet. Am 19. April 1990 kam Laura, unsere Enkelin, in Zürich auf die Welt. In der momentanen Situation ist Bescheidenheit die richtige Formulierung.

70 Jahre, eine magische Zahl. Wie fühlst du dich dabei?
Sieben war schon immer meine Glückszahl. Dementsprechend fühle ich mich sehr gut.

Die Unterhaltungsbranche hält ja bekanntlich jung. Ist dies bei dir auch so?
Jung halten mich vor allem die jungen Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten darf. Da wird einem klar, dass nichts auf der Welt selbstverständlich ist. Ich arbeite allerdings auch sehr gerne und das hält anscheinend jung und fit.
Bleiben wir gleich bei der "Bescheidenheit". Wenn wir deine Biographie lesen, ist dies eine beachtliche Leistung. Im Gegenzug zu anderen Medienmännern bist du immer auf dem Boden geblieben.

Wie stark stehst du zu deinem Erfolg?
Erfolg ist eine Sache der Perspektive. Mir geht es eigentlich weniger um den Erfolg, als darum die Ziele zu erreichen, die für mich wichtig und wertvoll sind. Ausserdem stehen für mich der persönliche und berufliche Erfolg immer auf Augenhöhe. Ich bin nur wirklich erfolgreich, wenn ich das auch im privaten Bereich bin. Somit geht beides Hand in Hand – und meine Familie hat mich immer auf dem Boden gehalten.

Vor 25 Jahren bist du mit Star TV als erster nationaler Fernsehsender auf Sendung gegangen. Gratulation! Einige grosse TV-Sender sind in dieser Zeit gekommen und gegangen, Star TV ist immer noch hier. Wie machst du das?
Ja, das habe ich mich auch schon gefragt. Und weisst du was: ich habe keine Antwort gefunden. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Meister in der Selbsthypnose bin und jeden Tag als eine neue Chance ansehe.

Du hast in der Vergangenheit vieles bewegt. Was blieb dir dabei besonders in Erinnerung?
Der 31. August 1995, 18:00 Uhr. Das war der Moment, als Star TV, als erster nationaler Privatfernsehsender auf Sendung ging. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tanzten auf den Tischen der Cafeteria und schrien vor Freude durch die Gänge des Senders. Das war ein toller, unvergesslicher Moment für alle, die daran beteiligt waren. Eine echte Pionierleistung. Was mich zudem persönlich aufstellte, war die Tatsache, dass wir nebst allen Innovationen ab einem Computer sendeten, dem Avid Airplay und – er funktionierte. Der erste digitale Sendeablauf der Schweiz. Das war zu jener Zeit eine absolute Neuheit, die bei einigen von unseren Partnern auch Zweifel auslöste. Standen wir doch am Anfang der Internet-Ära.

Du hast immer ein Händchen für Talente gehabt und diese gefördert. Einige Moderatorinnen und Moderatoren kennt inzwischen die ganze Schweiz. Zeigen "deine Entdeckungen" im Nachhinein eine gewisse Dankbarkeit?
Ich denke schon, dass eine gewisse Dankbarkeit vorhanden ist. Es war schon immer mein Ziel, die jungen Menschen auszubilden. Das hat sich bis jetzt nicht geändert.

Grosse Erfolge haben auch die Musikvideos mit "Yello" Dieter Meier und Boris Blank gehabt. Wie stehst du inzwischen mit beiden in Kontakt?
Beide sind gute Freunde von uns und der Familie und uns verbindet eine jahrelange Geschichte. Boris und seine Frau Patrizia sind ja unsere Trauzeugen. Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir sie sehen. Ich finde beide grossartig und willensstark. Dieter ist zudem ein wichtiger eCommerce-Kunde von uns geworden, der unsere Innovationen im TV und Web schätzt und auch für seine Produkte aus Argentinien und der Schweiz einsetzt.

Musikvideos sind genau deine Welt gewesen. Wie müssen wir uns einen Dreh mit der (entschuldige die Wortwahl) "durchgeknallten" Nina Hagen vorstellen?
Nina ist auf keinen Fall durchgeknallt gewesen. Ich persönlich fand sie extrem spannend, sensibel, direkt und zuverlässig. Das zum Thema Dreh. Als Mensch war sie ziemlich aufwendig. Ihre Mutter, die Eva Maria sagte mir mal: "Wenn Nina nicht auf der Bühne stehen würde, wäre sie wohl im Irrenhaus."

Welche Musik bevorzugst du um abzuschalten?
Die Musik der absoluten Stille. Mit realem Vogelgezwitscher gelingt es mir manchmal auch abzuschalten. Aber: wenn ich abschalten will, schalte ich einfach ab, egal zu welchem Sound.

In deiner Karriere sind Kinofilme ebenfalls stark verankert (www.tch.ch) oder Spielfilme die auf Star TV in der Primetime ausgestrahlt werden. Welche Filme schaust du eigentlich privat?
Den privaten Filmkonsum möchte ich eigentlich schon lange reduzieren. Bine und ich schauen nämlich fast täglich einen Film. Somit laufen wir unter dem Titel "Film- und Serien-Junkies“. Bine hat immer das Vorrecht, einen Film auszuwählen. Sie durchstöbert diesbezüglich die ganze Bahnhofstrasse und das Bellevue nach neuen oder alten Filmen. Ich schaue grundsätzlich gerne Abenteuer- und Piratenfilme. Alte und neue, bekannte und unbekannte.

1987 hast du zum zweiten Mal geheiratet. Mit deiner Frau Bine hast du einen grossen Teil deines Lebens zusammen verbracht. Wie fest ist sie deine Stütze im Ganzen?
Bine ist mein zweites ich. Sie ist mein Mainpartner im Geschäft und auch Privat. Sie war jahrelang bei Star TV für die Studio- und Live-Regie verantwortlich. Als Spielfilmcutterin kommt sie aus der Branche. Als dann Laura, unsere Enkelin, auf die Welt kam, hat sie sich immer mehr ihren grosselterlichen Pflichten gewidmet und damit auch die operative Verantwortung für unsere Familien übernommen. Zudem ist sie unsere Ernährungsministerin. Will heissen, sie bestimmt, was auf den Tisch kommt. All das macht sie mit so viel Talent, dass ich täglich von ihr schwärme. Bine und mich verbindet eine tiefe Liebe und wir sind nach 33 Jahren Ehe immer noch so verliebt wie zwei Teenager. Wenn ich sie anschaue, sehe ich immer eine wunderschöne Frau, der ich auch gerne bei ihrem täglichen Tänzchen zusehe. Sie ist aussergewöhnlich und macht mich zu dem Mann, der ich bin.

Mit "Star TV Medien" und dem Szenesender "Game TV" bewegst du täglich tausende von Menschen. Mal ehrlich: wie viel Zeit hast du noch für dein Privatleben?
Das ist eine gute Frage, die ich so nicht beantworten kann. Eigentlich arbeite ich immer. Ich denke, privates und geschäftliches ist bei uns so vermischt, dass ich das als eine Einheit sehe.

Wie sieht deine Zukunft aus?
Meine Zukunft ist unsere Zukunft. Ich würde gerne noch operativ tätig bleiben, aber vielleicht mal eine längere Reise zusammen mit meiner Frau unternehmen.