Seven

Wann hast du festgestellt, dass du das Talent hast, ein guter Soul Sänger zu werden?
Ich glaube nicht, dass es diesen Moment gegeben hat. Das Feedback von meinem Vater, der Opernsänger war, meinem Gesangslehrer und die Reaktionen nach den ersten Auftritten, haben mich motiviert. Motivation bedeutet aber, dass man etwas macht, weil man es gerne macht und das ist viel wichtiger als sein Talent zu entdecken.

War deine Stimme früher anders?
Klar, sie war etwas höher. Ich hatte aber das Glück, dass es in meiner Kindheit keinen harten Drop in meiner Stimme gegeben hat. Bei mir hat sich der Stimmbruch langsam gesteigert, so dass ich immer singen konnte. Ich habe deshalb keine Probleme mit meiner Stimme gehabt.

Wie schonst du deine Stimme?
Das habe ich vor 3 Jahren bemerkt, als ich 3 1/2 Wochen auf Tour war. Da habe ich 5 Abende am Stück à 2 Stunden gesungen und dann 1 Tag Pause gehabt. Das war sehr heftig, eine riesige Herausforderung und extreme Belastung für die Stimme. Da half nur: viel schlafen, erholen, nach dem Gig nicht herumschreien, kein Alkohol- und Zigarettenkonsum. Das Schlimmste ist aber, wenn man in einem lauten Raum mit anderen Menschen kommuniziert. 2 Stunden singen ist viel weniger belastend, als 2 Stunden laut zu reden. Darum, wenn ich auf Tour bin, versuche ich tagsüber meinen Mund zu halten, was mir nicht so einfach fällt.

Wie wichtig ist dir ein (positives) musikalisches Feedback von einem Berufskollegen?
Man freut sich immer, wenn man ein positives Feedback erhält. Wenn man zudem ein Feedback von einer Person erhält, von welcher man weiss, dass diese wirklich Ahnung hat, bzw. man selber vor dieser Person etwas mehr Respekt hat (weil man z.B. seine Arbeit gut findet), dann zählt das Feedback natürlich etwas mehr. Jeder der sagt, dass es ihm egal sei, lügt. Ein positives Feedback tut jedem gut!

Bist du abergläubisch?
Irgendwie ja... Ich bin grundsätzlich ein extremer Chaot. Das macht mich zum Kontrollfreak. Wenn ich nicht alles kontrollieren kann und keinen Plan habe, dann weiss ich, dass ich auseinanderbrechen würde. Dann würde das Chaos, welches in mir steckt Überhand nehmen und ich würde durchdrehen. Indem ich aber alles planen muss, bin ich also auf eine Art abergläubisch. Wenn ich z.B. vor einem Auftritt nicht genügend Zeit habe um meine 7 Sachen in aller Ruhe zu packen und es dann hektisch wird, macht mich das sehr nervös.

Welches Ritual hast du vor einem Live-Auftritt?
Wir haben seit 15 Jahren das gleiche Ritual. Wir kommen alle zusammen und ich halte eine Motivationsrede. Manchmal tritt man vor 100, manchmal, z.B. an einem Festival vor 20'000 Menschen auf. Jeder Auftritt ist somit individuell. Wir werfen dann alle Hände in die Mitte und es gibt immer ein Rätsel, in welchem alle ein Geräusch nachmachen müssen. Nachdem wir dieses Geräusch gemacht haben, gehen wir auf die Bühne. Es ist jedes Mal ein anderes Geräusch und jedes Mal blöder.

Was hörst du privat für Musik?
Ich höre fast 50% oldschool und 50% moderne Musik. Ich höre gerne alte Sachen, mit welchen ich aufgewachsen bin wie Prince, Michael Jackson, Stevie Wonder, etc. Aber auch Rap-Musik, welche zwischen 1987 und 1998 entstanden ist, finde ich den Wahnsinn. Künstler wie Erykah Badu oder D'Angelo finde ich hammer. Die neuen Sachen, welche von Kendrick Lamar oder Anderson .Paak stammen, finde ich wiederum auch super.

Welches ist dein Lieblingskünstler?
Prince. Ich glaube, dass mich keiner so nachhaltig beeinflusst hat. Er hat mir auch immer wieder Mut gemacht, indem er oft etwas Neues gewagt hat. Schau dir nur seine damaligen Outfits an und wie er ausgesehen hat. Diese Freiheit, das machen zu können, was man möchte, hat mich sehr inspiriert.

Machst du in deiner Freizeit Sport? Wenn ja, wie wichtig ist das für deine Karriere?
Ob das für einen Musiker wichtig ist, muss jeder für sich entscheiden. Bei mir ist es so, dass ich durchdrehe, wenn ich nicht in der Woche 3-4 Mal Sport machen kann. Das ist zwanghaft. Ich mache viel Fitness, gehe Joggen und achte auf meine Ernährung. Wenn du in einem Jahr zwischen 60 und 100 Auftritte hast und dein Bestes abrufen möchtest, musst du einfach fit sein.

Hast du angefangen dir Gedanken über das nächste Album zu machen? Wenn ja, wie lange wirst du dafür brauchen?
Keine Ahnung. Momentan stecke ich in einer Phase, wo ich diverse Sachen ausprobieren und mich nicht auf ein Album fixieren möchte. Ich will momentan viel Musik machen und viel Zeit im Studio verbringen. Jedes Mal, wenn mir etwas gefällt, muss ich es sofort veröffentlichen. Diese kurzen Wege, welche uns das digitale Zeitalter beschert hat, erachte ich deshalb als Vorteil.

Möchtest du einmal einen Newcomer unter deine Fittiche nehmen?
So weit bin ich noch nicht. Im Moment ist es so, dass wenn mir ein Song gefällt, ich diesen für mich behalten möchte.

Was möchtest du der neuen Soul-Generation auf dem Weg geben?
Ich werde oft von Leuten gefragt, was sie tun oder beachten müssen. Es gibt nur etwas, was ich jedem mitgeben kann: Wenn dich Musikmachen glücklich macht und dir das ausreicht, dann ist dies dein Weg. Ob du Erfolg hast oder nicht, spielt gar keine Rolle. Du bist ja glücklich, weil du Musik machen kannst. Wenn du es aber wegen dem Fame machst, dann lass es lieber sein. Die Musik ist kein Mittel zum Zweck und viel zu wichtig dafür.

PHOTO: Sean White